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Liebe Gemeinde,

Freude – das klingt leicht. Und doch fällt sie im Alltag nicht immer leicht. Gerade in den Wintermonaten, wenn die Tage kurz sind, vieles grau erscheint und Sorgen sich einstellen, kann die Aufforderung zur Freude fast herausfordernd wirken.
Umso bemerkenswerter ist der Monatsspruch für den Februar. Er lädt nicht zu einer oberflächlichen Fröhlichkeit ein, sondern dazu, innezuhalten und den Blick bewusst neu auszurichten: auf das Gute, das Gott schenkt.
Die Worte stammen aus einem Zusammenhang des Dankens. Im 5. Buch Mose wird beschrieben, wie das Volk Israel die ersten Früchte der Ernte zum Heiligtum bringen soll. Dabei geht es nicht nur um eine religiöse Pflicht, sondern um eine bewusste Erinnerung. Die Menschen sprechen laut vor Gott ihre Geschichte aus: die Zeit der Unterdrückung, den langen Weg durch die Wüste, die Erfahrung von Befreiung und schließlich das Ankommen im verheißenen Land. Die Freude, von der der Bibeltext spricht, wächst aus dieser Erinnerung. Sie ist nicht losgelöst vom Leben, sondern hat eine Geschichte.
Bemerkenswert ist, dass sich die Freude nicht allein auf den Ertrag des Feldes richtet. Sie umfasst den ganzen Weg, auf dem Gott sie begleitet hat durch schwere und durch gute Zeiten. Und sie bleibt nicht privat. Im biblischen Text werden auch Fremde, Leviten und Bedürftige ausdrücklich mit einbezogen. Freude über Gottes Gaben ist immer eine geteilte Freude. Sie sucht die Gemeinschaft und schließt andere mit ein.
Diese Freude ist nicht oberflächlich. Sie verschweigt nicht, dass es Belastungen, Unsicherheiten und offene Fragen gibt. Aber sie hält an der Erfahrung fest, dass Gott treu ist. Wer aufmerksam wahrnimmt, was gut ist – oft das Kleine und Unscheinbare –, der entdeckt Spuren von Gottes Nähe mitten im Alltag.
Manchmal zeigt sich das ganz leise: in einem unerwarteten Anruf oder einer kurzen Nachricht, in der jemand nachfragt, wie es einem geht. In einem Zeichen von Verbundenheit ohne großen Anlass. Solche Gesten erinnern daran, dass wir gesehen sind von Menschen und von Gott.
Der Monatsspruch lädt ein, solche Erfahrungen nicht zu übergehen. Nicht als Pflicht zur Freude, sondern als Übung der Wahrnehmung. Dankbarkeit kann den Blick verändern und mit der Zeit auch die Haltung, aus der wir leben.

Ihr Pfarrer Michael Ramsch 

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